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C.V. Room Drawings Fictional Landscapes




TRANSIENT

3,10 m x 26 m x 4,60 m, PVAC Wandfarbe /acrylic wall paint,
Ausstellung / Exhibition: „o.T. (ohne Titel) 2014“, Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 201
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Verbindungstunnel zwischen den Ausstellungsräumen im Bahnhof Rolandseck und dem Arp Museum

Kuratiert von / curated by: Arne Reimann (Katalogtext siehe unten/catalogue text below)



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Der Tunnel führt unter den beiden Gleisen des Bahnhofs Rolandseck hindurch und verbindet die Ausstellungsräume des Bahnhof Rolandseck direkt mit den Ausstellungsräumen des Arp Museum.

Die Mitte zwischen den beiden Gleisen ist im Tunnel darunter als Spiegel-Achse für die Formen der Wandmalerei erkennbar.* Entsprechend der gegenläufigen Fahrtrichtung der Züge sind auch die schwarzen Formen gegenläufig gespiegelt.

Die beiden gegenüberliegenden Tunnelwände sind exakt identisch bearbeitet, so dass eine räumlich skulpturale Präsenz der Raum-Zeichnung entsteht.

Die Formen verbildlichen die im Tunnel deutlich hörbaren und spürbaren Zuggeräusche und deren akustische Ausdehnung im Raum des Tunnels. Sie führen den Besucher in den Tunnel hinein und durch ihn hindurch.


TRANSIENT von Arne Reimann

Der Tunnel im Arp Museum Bahnhof Rolandseck verbindet den Bahnhof mit dem neu gebauten Museumskomplex. Über eine Länge von 26 Metern führt er unter den Gleisen hindurch. Die Züge der Rheintrasse sind in ihm deutlich zu hören und spüren. Christine Rusche hat für diesen speziellen Durchgangsraum die ortsbezogene Wandmalerei TRANSIENT entwickelt, die sich den herkömmlichen Sehgewohnheiten der Malerei entzieht. Schwarze Linien und Flächen strukturieren die weißen Wände auf beiden Seiten des Tunnels, treffen sich beinahe auf einer Achse, wechseln die Richtung und lassen eine Lücke zwischen sich. Ein dunkler Keil leitet den Blick in die Tiefe des Raumes. Es gibt keinen Fluchtpunkt, doch versetzen aufgezeigte Richtungen und scheinbare Drehungen die Wände in Bewegung.

Von einem einzigen Standpunkt aus lassen sich die Wandmalereien von Christine Rusche nicht erschließen, meist noch nicht einmal wahrnehmen. Die »Raum-Zeichnungen«, wie die Künstlerin ihre für die Dauer einer Ausstellung erschaffenen Räume nennt, erfordern die physische Neuorientierung des Betrachters im Raum – wechselnde Positionen in der für den Ort konzipierten Arbeit sind notwendig, um aus den unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Arbeit ein Ganzes zusammenzusetzen. In einem simultanen Prozess aus Betrachtung und Erinnerung an das gerade Gesehene setzt sich im Kopf des Betrachters das ganze Raumbild zusammen.

Die bildliche Sprache ist reduziert, erinnert zwar an Hard-Edge-Malerei und minimalistische Tendenzen, ist jedoch eine eigene Formensprache der Künstlerin, vergleichbar einer Art »grafischer Notation«. Den Arbeiten geht eine genaue Analyse des Ortes voraus, die sowohl die sichtbaren als auch die latenten, dem Auge entzogenen Faktoren miteinbezieht, die die Wahrnehmung des Ortes beeinflussen. So erzeugen die Wandmalereien Richtungen, Perspektiven, Rhythmen und Bewegungen im Raum und visualisieren außerdem die recherchierten, imaginär gesetzten Koordinaten, die in die bestehende Architektur eingeschrieben werden. Die Reduktion auf Schwarz-Weiß unterstützt die räumliche Wirkung mit dem Medium Farbe, betont den Kontrast von Bild und Raum und deren Verbindung in den Raum-Zeichnungen.

Grundrisse und Pläne eines Gebäudes sind entscheidender Bestandteil der Recherche sowie die Erkundung der Atmosphäre und spezifischen Eigenheiten, die den Raum prägen. In das Volumen und die Proportionen des Raumes konstruiert Christine Rusche eine fiktive Raumstruktur hinein, die situativ und gleichzeitig eigenständig ist. Zwischen der vorhandenen Architektur und der Wandmalerei entsteht so eine untrennbare Ganzheit, in der der Raum zugleich Ausgangspunkt, Träger und Teil der Raum-Zeichnung ist. Die imaginäre Achse, um die sich das Motiv im Tunnel dreht, sind die Vektoren, die von der Bewegungsrichtung der Besucher im Tunnel und der Bewegung der Züge auf den Gleisen über dem Tunnel ausgehen. Die grafische Notation nimmt dabei aber nicht nur die genaue Lage der Schienen auf, sondern auch den Klang, den die vorbeifahrenden Züge im Transitraum erzeugen. Das repetitive Muster aus Formen und Linien und die Wiederholung des Motivs korrespondieren so mit der Raumakustik.

 

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